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Schweigerdt
 

Philosophie

TENDENZEN DER HERSTELLUNG

Bei der Analyse der Marktentwicklung moderner Lautsprechersysteme stellt man fest, dass diese in Zeiten der Massenherstellung und Globalisierung der Wirtschaft den Konkurrenzkampf objektiv widerspiegelt. Es existieren parallel zwei Marktsegmente – individuelle und Serienherstellung, wobei das Preisniveau nicht immer den Aufschluss liefert, zu welchem der beiden Segmente das eine oder andere Produkt eigentlich gehört. Bei der Kaufentscheidung des heutigen Verbrauchers spielt überwiegend der Kaufpreis eine Rolle, für den Hersteller ist der Orientierungsrahmen – niedrige Produktionskosten. Das führt kontinuierlich zur Vereinfachung der Konstruktion von Lautsprechersystemen, was sich leider negativ auf das Klangergebnis auswirkt. Gleichzeitig rücken Produkte jener Hersteller automatisch ins Segment exklusiver Ware mit hervorragender objektiver und subjektiver Charakteristika, deren Strategie die kompromisslose Qualität ist, basierend auf Anwendung bestmöglicher Materialien und Komponenten, hundertprozentiger Kontrolle in allen Herstellungsphasen.

Hohe Herstellungskosten solcher technischen Lösungen machen sie unter den Herstellern, die Massenware  produzieren, keinesfalls populär – die verhältnismäßig kleine Anzahl qualifizierter Kenner des richtigen Klanges stellt angesichts der maximalen Gewinne kein Interesse dar. Aus diesem Grund beschäftigen sich nur wenige Hersteller mit der Entwicklung der Hornsysteme, obwohl gerade diese Klasse der Akustik über eine ganze Reihe der Vorzüge verfügt, die auf ihren hohen Wirkungsgrad zurück zu führen sind. Der hohe Wirkungsgrad erlaubt es, bei jeder Lautstärke stets einen breiten dynamischen Bereich zu gewährleisten. Das Hornsystem als Prinzip ermöglicht es, den von der Lautsprechermembran ausgehenden Schalldruck an die Umwelt anzupassen und realitätsnahe Übertragung von Klangbildern und Erschaffung des Anweseheitseffekts zu sichern.

LAUTSPRECHER

Als wesentliches Element eines jeden akustischen Systems gilt der Lautsprecher.  Er wird zur Hauptquelle der Amplitudenverzerrungen durch nichtlineare Luftkompression sowie durch nichtlineare Verformungen seiner beweglichen Teile. Vom Zuhörer wird es als Störung des tonalen Gleichgewichts, beliebige Verlagerung von Klangbildern im Raum usw. wahrgenommen.

Die Verwendung eines Breitbandlautsprechers lässt es zu, ohne Klangfilter auszukommen. In der Theorie dürfen Klangfilter keinen Einfluss auf das Klangergebnis haben, in der Praxis ist es aber nicht so. Allein das Vorhandensein der Klangfilterbestandteile bringt Verzehrungen des Ausgangssignals mit sich. Und je komplizierter der Klangfilter ist, umso weniger Chancen bestehen, dass die Arbeitswerte seiner Elemente (Induktionsspulen, Widerstände, Kondensatoren) in den akustischen Systemen des linken und rechten Kanals ideal übereinstimmen. Und ohne diese Übereinstimmung ist es nicht möglich, den gleichen Klang der beiden Kanäle zu erzielen. In diesem Fall, wo beide Lautsprecher unterschiedlich klingen, ist über das Tongleichgewicht und Richtigkeit des Klangbildes keine Rede mehr. Außerdem entstehen an den Stellen, wo Frequenzbänder auf einander treffen, lautsprecherinduktivitätsbedingte Prozesse, die den Frequenzgang eines akustischen Systems wesentlich beeinflussen. Im Kampf gegen diese Erscheinungen verwendet man so genannte Ausgleichsketten, die aber selbst zusätzliche Verzehrungen mit sich bringen. Diesem Teufelskreis kann man leicht und ungezwungen entfliehen: keine Klangfilter – keine Probleme. Dafür muss der Lautsprecher einen möglichst breiten Frequenzbereich wiedergeben, also muss es ein Breitbandlautsprecher sein.

Es ist kein Geheimnis, dass viele moderne Lautsprecher, die mit Computerhilfe entworfen wurden und dabei hervorragende Arbeitswerte aufweisen, bewehren sich bei subjektiver Klangbewertung nicht. Wie erklärt sich das. Erstens ist es kompliziert, alle Parameter, die für das Endergebnis mit verantwortlich sind, zu berücksichtigen. Das zweite und wichtigste ist, es ist nicht möglich, Lautsprecherkomponenten mit solchen kaum zu prognostizierenden Werten wie Elastizität der Treibers oder Starrheit der Treibermembran herzustellen. Diese Werte sind lediglich ein Anhaltspunkt für folgendes vielfaches Anhören und Messen und anschließende Korrektion der Lautsprecherkomponenten den Ergebnissen entsprechend. In der modernen Welt gibt es nur wenige Hersteller, die eine solche arbeitsaufwändige Forschung betreiben. Der Grund - enorme Kostensteigerung bei der Entwicklung und Herstellung des Produktes.

Am Ende des 20 Jahrhunderts leisteten europäische Forscher viel Arbeit, um subjektiv wahrzunehmenden Klangcharakter des Lautsprechers und seinen Verhältnis zu Messwerten zu studieren. Es ist bekannt, dass Lautsprecher, die den gleichen Klang haben, können über sehr unterschiedliche Frequenz-, Phasengänge, nichtlineare Verzehrungen usw. verfügen, und genauso umgekehrt – bei gleichen gemessenen Werten unterschiedlich klingen. Ein Wert stimmt bei gleichen Lautsprechern jedoch überein, es ist die Entwicklung der Echoschwelle als Reaktion auf einen Einheitsstoß. Im Nachhinein durchgeführte Untersuchungen über den Einfluss messbarer physischer und elektrischer Parameter auf das Einheitsstoßverhalten lieferten noch keine endgültigen Ergebnisse. Auf die vorläufigen Resultate kann man aber trotzdem zurückgreifen. Die Kombination der hohen mechanischen Stabilität mit dem leichten beweglichen System und der großen Bedeutung der elektromagnetischen Induktion in magnetischem Spalt, wenn die Polspitzen sich beinahe im Sättigungszustand befinden, zusammen mit Stabilisierungselementen des Magnetfeldes haben positive Auswirkung auf die Impulscharakteristik von Lautsprechern. Der Vergleich der sich auf dem Markt befindlichen Lautsprecher zeigte, dass die mechanische Stabilität der meisten modernen Lautsprecher sich im Bereich 4-7 befindet, während sie bei Vintage-Lautsprechern wie Telefunken, Klangfilm, Goodmans, RCA bis 12-17 reicht. Das ist nämlich eine der Ursachen, weshalb gute Vintage-Lautsprecher deutlicher, klarer und vor allem musikalischer klingen, außerdem ein schärferes räumliches Klangbild haben, als die heutzutage verbreiteten Lautsprecher mit weicher Gummifederung. Einfacher gesagt, sie vertuschen die Einzelheiten des Klangbildes. Zum Glück existiert eine hervorragende Methode, einen hohen Schalldruck vom Lautsprecher zu erzeugen, ohne einen großen Lauf des Treibers gewährleisten zu müssen. Dies wird später erwähnt.

Zurück zu den modernen Lautsprechern. Die Massenherstellung hinterlässt ihre Spuren bei der Konstruktion der Lautsprecher. Um den Montagevorgang zu beschleunigen, nach Möglichkeit unter Einsatz der Billigarbeitskräfte aus süd-ostasiatischen Ländern, ist es notwendig, die Toleranzen bei der Herstellung von Bestandteilen zu erhöhen, was im Zusammenhang mit dem unberechenbaren „menschlichen Faktor“ zum traurigen Ergebnis führte: zwei aus einem Posten aufs Geratewohl ausgesuchte Lautsprecher werden unterschiedliche elektrische Werte und als Folge unterschiedlichen Klang haben. Und gerade das bezweifelt den Erhalt guter Ergebnisse bei der Verwendung dieser Lautsprecher in Stereosystemen.

AUSWAHL DES LAUTSPRECHERS

Letztendlich kommen wir zur offensichtlichen Schlussfolgerung – bei dem Bau eines akustischen Systems der Spitzenklasse ist der Einsatz von Vintage-Breitbandlautsprechern vollkommen gerechtfertigt. Dennoch sind für diese glanzvolle Vertreter der vergangenen Epoche, die sich dem unumkehrbaren Einfluss der Zeit unterzogen, öfters eine ganze Reihe der Reanimationsmaßnahmen erforderlich, bis hin zum Austausch von Einheiten und Einzelteilen. Die Verwendung von modernen Baumaterialien und führenden Technologien bei der Rekonstruktion der Lautsprecher lässt es zu, ihnen den ursprünglichen Klang zurückzugeben und einen problemlosen Betrieb für lange Zeit zu garantieren. Dies ist aber nicht die einzige Aufgabe, die von unseren Spezialisten, die die Lautsprecher „gefechtsbereit“ machen, zu lösen ist. Wenn die Lautsprecher in den Montagebereich kommen, müssen sie vorbereitet sein, um als Bestandteil den vollen Einsatz in den Hornsystemen zu leisten, für die sie manchmal ursprünglich nicht gebaut wurden. Aus diesem Grund werden die Lautsprecher ein wenig modernisiert, und zwar im Bereich der Materialien und Eigenschaften von Federn und Zentrierscheiben.

Es gibt übrigens noch einen Moment, der erwähnt werden sollte – Breitbandlautsprecher, die den Tief- und Mittelfrequenzbereich würdig wiedergeben, empfinden gewisse Schwierigkeiten bei Wiedergabe von Hochfrequenzen. Moderne Anforderungen zur Klangqualität von akustischen Systemen führen zur Notwendigkeit, im System einen zusätzlichen Strahler zu verwenden, nämlich einen Hochfrequenzstrahler. Seine Leistung beginnt aber ab einem Frequenzbereich, der deutlich über dem der meisten Töne von Musikinstrumenten liegt, wobei nur der Obertonbereich abgedeckt wird. Zu dem hat der Hochfrequenzstrahler keinen Einfluss auf die Breitbandlautsprecher und verbessert wesentlich die Wahrnehmung der Raumtiefe und der Federleichtigkeit von akustischen Instrumenten.

AUSWAHL DER ART DER AKUSTISCHEN GESTALTUNG

Wie bereits oben erwähnt, gibt es eine Art der akustischen Gestaltung, bei der keine Notwendigkeit besteht, einen großen Lauf des Treibers zu gewährleisten, um einen hohen Schalldruck vom Lautsprecher erzeugen zu können. Im Allgemeinen ist der große Lauf des Treibers eine Notlösung, die auf den niedrigen Wirkungsgrad der beiden heute populären akustischen Gestaltungen zurück zu führen ist – Phaseninverter (2-5%), geschlossene Art (1%). Die Höhe des Wirkungsgrads von Hornlautsprechersystemen liegt bei 10-50%! Im Ergebnis gelingt ein System, welches gleichzeitig über hohe Empfindlichkeit und niedrige Amplituden des Treibergangs verfügt, was automatisch eine starke Reduzierung von nichtlinearen und Intermodulationsverzerrungen bewirkt. Ebenso vermindern diese Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines lokalen Klangeffekts, der sich mit Frequenzerhöhung aufgrund der Zunahme der Ausrichtung auf die Qualität der von Lautsprechern bildenden Klangumgebung negativ auswirkt. Ein anderer zweifelloser Vorteil von Hornkonstruktionen ist die Möglichkeit der Einschränkung des vom Lautsprecher erzeugten Frequenzbereichs mittels der Änderung der Vorhornkammer, d.h. ohne elektronische Korrektur von Phasengängen.

FAZIT

Somit bekommt unser „ideales“ akustisches System seine reale Form: das ist ein Zwei-Wege-Lautsprechersystem, bei dem für Tief- und Mittelfrequenzen der Breitbandlautsprecher als Hornlautsprecher zuständig ist, während im Hochfrequenzbereich ihn ein Hochfrequenzstrahler mit Crossover der ersten Ordnung unterstützt.